Deutschland (Stand: November 2006)


Wustermark: Das an der Lehrter Bahn westlich vor den Toren Berlins gelegene Bw Wustermark wurde im Zuge des Ausbaus des Rangierbahnhofs Wustermark im Jahre 1920 neu errichtet. Mit seinen beiden Ringlokschuppen und der modernen Großbekohlungsanlage zählte es zu den größten und modernsten Bw's der RBD Berlin. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs schwer zerstört konnte Wustermark durch die Teilung Berlins nie wieder an seine Vorkriegsbedeutung anknüpfen, was sich auch in dem nur teilweisen Wiederaufbau der Anlagen ausdrückte. Der südliche Rbf wurde nicht wieder in Betrieb genommen und von den ehemals zwei Ringlokschuppen nur einer wieder hergerichtet. Der andere diente fortan als Freifläche zum Abstellen der Loks. Die Lehrter Bahn, einst die Hauptschlagader des Ost-West-Verkehrs, wurde mit der Grenzziehung im August 1961 unterbrochen und erst im Zuge der Annäherung der beiden deutschen Staaten im Mai 1976 wieder für den - nur noch bescheidenen - Verkehr freigegeben.

Dominierende Baureihe in Wustermark war wie überall im Berliner Güterverkehr die 52er. In Wustermark konnten sich gerade die Altbauloks lange halten, wurden dann aber wie auch die Reko-52 von der Baureihe 118 verdrängt. Die letzten, spärlichen Dampfleistungen der 80er Jahre bestanden vor allem aus der "Kirchturmrunde" Wustermark - Nauen - Kremmen - Velten - Hennigsdorf - Wustermark (N65180/Dg55186) und Dispo-Leistungen. Nach dem offiziellen Ende des Plandampfes im Jahre 1987 wurden die Dampfloks jedoch wegen ihrer Dampfheizung weiterhin gerne als Zugloks für Betonmischzüge im Rahmen der Streckenelektrifizierung eingesetzt. Bedingt durch einen Mangel an dampfkundigen Lokführern ließ man im Frühjahr 1989 zu Ausbildungszwecken die alte Kirchturmrunde wieder aufleben. Stammlok hierbei war 52.8006-0.

Mit der Grenzöffnung im gleichen Jahr ergab sich völlig unerwartet ein neues Betätigungsfeld für die Dampfer: Mit dem nur an Samstagen verkehrenden Eilzugpaar E1681/1686 bzw. E3007/3008 (Nauen - Lübbenau) kamen ab 1991 die wenigen verbliebenen Loks zurück in den hochwertigen Reisezugdienst! Der Laufweg des dem Ausflugsverkehr in den Spreewald dienenden Zugpaares führte über die motivlich herausragende Stadtbahn mitten durch die Berliner Innenstadt. Neben der Stammlok 52.8075-5 kamen dabei fallweise auch 52.8006-0, 52.8117-5 und 52.8134-0 zu Einsatzehren. Die letzte "Dampfgurke" verkehrte am 28.05.1994.

 
52.8006-0 rangiert mit Nahgüterzug 65180 in Velten(Mark) im April 1989. Auffällig die damals am vorderen Gleis noch vorhandene Stromschiene der 1984 eingestellten Gleichstrom-S-Bahn.   52.8117-5 passiert auf dem Ruhlebener Gbf die alte Überschneidung der S-Bahn mit dem Stellwerk "Rub". Rechts die nicht wieder in Betrieb genommene S-Bahnstrecke Spandau - Jungfernheide.
 
52.8075-5 durchfährt mit E3007 auf noch eingleisiger Strecke den damals stillgelegten S-Bahnhof Eichkamp (heute Messe Süd, Sept.1992).   Die zeitgemäß als 052.117-9 bezeichnete 52.8117 am Vorsignal der Blockstelle Bellevue auf der Stadtbahn (Aug.1993). Links im Hintergrund die Siegessäule.
 
52.8117-5 passiert mit E3008 im letzten Licht den Lehrter Stadtbahnhof. Heute befindet sich hier der neue Hauptbahnhof von Berlin (Aug.1992).   052.117-9 auf der Brücke über den Humboldthafen. Mit dem Neubau des Lehrter Bahnhofs ("Hauptbahnhof") verschwand auch dieses Motiv (Sept.1993)
 
Stadtbahnatmophäre pur: 52.8075-5 am S-Bahnhof Jannowitzbrücke mit den Türmen der Nikolaikirche (links) und dem Fernsehturm (rechts) (Sept.1992).   "Die letzte Dampfgurke" am 28.05.1994 im damaligen Berliner Hauptbahnhof, der heute mal wieder Ostbahnhof heisst, erst jedoch Frankfurter Bahnhof und dann fast 100 Jahre lang Schlesischer Bahnhof hieß - alles klar?!?