Deutschland (Stand: Dezember 2006)


Raw Görlitz: Im westlich vor den Toren der Stadt Görlitz gelegenen Örtchen Schlauroth entstand Anfang des 20. Jahrhunderts ein großer Rangierbahnhof. Mit der Elektrifizierung des hier endenden schlesischen Streckennetzes wurde 1923/24 in Schlauroth auch ein hochmodernes Bahnbetriebswerk für Elektrolokomotiven gebaut, dessen Kernstück ein großer Rechteckschuppen mit zwei innen liegenden Schiebebühnen war. Mit der Grenzziehung nach dem 2. Weltkrieg und der Fahrleitungsdemontage wurde das Bahnbetriebswerk praktisch überflüssig und zum Lokbahnhof des Bw Görlitz degradiert. Die vorhandene moderne Infrastruktur diente fortan der Lokomotivausbesserung. Zum 01.01.1950 erfolgte die Verselbständigung als RAW Görlitz, wobei man sich auf Schmalspurdampflokomotiven spezialisierte und so schließlich zum alleinigen Ausbesserungswerk für diese avancierte.

Höhepunkte der Arbeit des Werkes waren die großen Reko-Programme der 60er Jahre (sä. IV K, VI K und diverse ehemalige Privatbahnloks) sowie der frühen 90er Jahre (Baureihe 99.77-79), die eher Neubauten glichen und deshalb bis heute ein beliebtes Diskussionsthema für Lokhistoriker sind. Nach der letzten, den Wirren der Nachwendezeit zu verdankenden Blüte der Jahre 1992/93 zeichnete sich jedoch schnell das Ende des Werkes ab: Bedingt durch die auf Schmalspurloks ausgerichtete maschinentechnische Ausrüstung konnte Görlitz mit dem größeren und diesbezüglich universelleren Raw Meiningen nicht wirklich konkurrieren. Der kleine und obendrein schrumpfende Markt bot nur einem der beiden Standorte eine halbwegs sichere Zukunft, womit das Aus für Görlitz besiegelt war. Zum Jahresende 1996 wurde die Lokausbesserung eingestellt und das Werk 1997 geschlossen.

Glücklicherweise konnte ich das Werk im April 1990 sowie im Januar 1992 besuchen. Beeindruckend waren dabei die im Vergleich zu Meiningen wesentlich beengteren Platzverhältnisse, die alle Gewerke auf engstem Raum konzentrierten. Da die Besuche an normalen Arbeitstagen erfolgten, war das Fotografieren aus diesem Grund manchmal nicht einfach, da man mit seinem Stativ ja ständig im Wege stand. Ausgebessert wurden damals gerade Loks in den Spurweiten 381, 600, 750, 900, 1000 und 1435 mm!

 
Der Arbeitsvorrat im April 1990: 99.1584-4, 99.2323-6 und 99.1585-1. Links im Hintergrund ein übrig gebliebener alter Fahrleitungsmast.   Probefahrt der 99.1761-2. Im Vordergrund der alte Rahmen der 99.1773-3 sowie ein weiterer Fahrleitungsmast.
 
Ehemalige Privatbahnloks waren in Görlitz seit Anfang der 70er Jahren selten geworden: 99.4802-7 erhielt Anfang 1992 eine L5.   Exot in 381 mm Spurweite: Eine Lok der Dresdner Parkeisenbahn im Rahmen einer L7.
 
Die Zylinder der 99.7243-1 werden für das Einpressen der Schieberbuchsen vorbereitet.   Blick in die Radsatzwerkstatt. Vorn die Radsätze von zwei Harzloks der Baureihe 99.23-24
 
Zwei interessante Größenvergleiche: Vorn der Kessel der Dresdner Parkbahnlok, hinten der der 99.7243-1 (rechts: 99.1791-5) sowie...   ...die Kolben beider Loks - die kleinen Kolben der Parkbahnlok fallen auf der Werkbank links kaum auf!
Zwei weitere Loks in der Richthalle: 99.1786-5 und 99.2322-8.