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Schmalspurbahn Putbus - Göhren: Von dem einst knapp 100 km Streckenlänge umfassenden Netz der 1895/96 gebauten Strecken der Rügenschen Kleinbahnen AG (RüKB) verblieb nach den Stilllegungen der Jahre 1967 bis 1971 nur noch die 24 km lange Kernstrecke von Putbus nach Göhren. Auch ihr sollte kein langes Leben mehr bestimmt sein, denn vor dem Hintergrund des stark zunehmenden motorisierten Individualverkehrs beabsichtigte man, den Restbetrieb bis Ende 1976 ebenfalls einzustellen. Die Rettung kam von für DDR-Verhältnisse eher ungewöhnlicher Stelle: Der Rat des Bezirkes Rostock, zu dem die Insel Rügen damals gehörte, stellte die Strecke am 27.02.1975 quasi in letzter Minute komplett unter Denkmalschutz. Die Deutsche Reichsbahn sah sich auf dieser Basis gezwungen, die lange aufgeschobene grundhafte Erneuerung des völlig abgängigen Oberbaus in Angriff zu nehmen. Wegen der geringen Baukapazitäten und anderweitig gesetzter Prioritäten zogen sich die Arbeiten bis Anfang der 80er Jahre hin und waren beliebtes Betätigungsfeld für Arbeitseinsätze in- und ausländischer Studenten.

Der Charakter als typisch pommersche Schmalspurbahn blieb trotz der Baumaßnahmen erhalten: Weiterhin in Kies gebettete Gleise, ebenerdige und unbefestigte Bahnsteige, kleines Schienenprofil, die gewohnt spartanische Bahnhofsausstattung sowie viele ursprüngliche Details ergaben ein harmonisches Gesamtbild, welches nur durch die Rekonstruktion des Wagenparks etwas gestört wurde. Lokmäßig blieb zunächst alles beim Alten - neben den Stammloks der Lenz'schen Gattung "m" (Baureihe 99.463) taten auch die 1965 aus dem Burger Netz zugezogenen 99.4801 und 99.4802 weiterhin auf Rügen Dienst. Zur Schonung insbesondere der Stammloks erhielten diese ab 1983 jedoch dauerhaft Verstärkung durch zwei Neubauloks der Reihe 99.77-79, deren Einsatz nach den Verbesserungen am Oberbau möglich geworden war. Im Prinzip war dabei vorgesehen, dass die beiden Neubauloks weitestmöglich den Planbetrieb übernehmen und die übrigen Maschinen nur aushilfsweise zum Einsatz kommen sollten. Praktisch klappte das trotz des geringen Lokbedarfs aber fast nie, da eigentlich immer eine Neubaulok defekt oder in Ausbesserung war.

Obwohl in Pommern die Uhren bekanntlich etwas langsamer ticken, erreichten die tief greifenden Veränderungen der Wende auch die RüKB: Der Verlust des Denkmalstatus, die nachfolgende Privatisierung und Modernisierung sowie mehrere Betreiberwechsel haben das Bild der Bahn seit dem nachhaltig verändert. Es bleibt also wieder einmal nichts als der wehmütige Rückblick auf eine untergegangene Epoche…

 
99.4801-9 in der Einsatzstelle Putbus.   99.4802-7 im Wald bei Sellin West.
 
99.4802-7 im Endbahnhof Göhren. Man beachte den Weichenstellbock mit den schmalspurtypischen Stellungsanzeigern, die aus einem flachen Blech mit einem beidseits aufgemaltem weißen Kreis bestehen.   99.4632-8 im Bahnhof Binz Ost. Die Bahnhofsanlage mit dem typisch pommerschen Bäderbahn-Empfangsgebäude besticht durch ihre schlichte Schönheit.
 
99.4632-8 donnert vor Seelvitz über den Acker.   99.4632-8 im Hp Serams. Einfacher geht es nicht: Ein Schild und eine Wartebude - das wars!
 
99.1782-4 im Bahnhof Sellin. Die Neubauloks sehen wegen ihres nur auf Rügen üblichen Bleches unter der Rauchkammer etwas unproportioniert aus.   99.1784-0 quält sich bei Seelvitz durch den wohl engsten Bogen der Strecke.