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Mügeln: Lediglich eine sächsische Schmalspurstrecke, die es nicht auf die Liste der zu erhaltenden Bahnen von 1973 geschafft hatte, konnte sich bis ins bundesrepublikanische Zeitalter retten: Oschatz - Mügeln - Kemmlitz. Die Strecke wies einige Besonderheiten auf, die sie von den übrigen noch existierenden sächsischen Bahnen deutlich unterschied. Während alle anderen Strecken im Gebirge gelegen waren, war Oschatz - Mügeln eine ausgesprochene Flachlandeisenbahn, die obendrein ausschließlich dem Güterverkehr diente. Auch war sie lediglich die Reststrecke eines einstmals umfangreichen Netzes, während alle anderen verbliebenen Bahnen (bis auf das grenzziehungsbedingt geschrumpfte Zittauer Netz) noch im ursprünglichen Umfang bestanden. Am augenfälligsten war jedoch der Unterschied hinsichtlich des Lokeinsatzes: Hier war das letzte Refugium der exotischen Meyer-Loks der sächsischen Reihe IV K! Weitere Relikte aus der Frühzeit der Schmalspurbahnen waren der bis 1987 andauernde Einsatz der Heberleinbremse (Seilzugbremse) sowie die einfache Trichterkupplung an Loks und Wagen, während die anderen Bahnen längst Saugluftbremse und Scharfenbergkupplung verwendeten.

Die Strecke besaß mit dem Bahnhof Mügeln einen ehemaligen Netzknotenpunkt beeindruckenden Ausmaßes, was ihm den Titel "größter Schmalspurbahnhof Europas" eintrug. Das dreigleisige Heizhaus beherbergte zeitweise fast ein Dutzend Lokomotiven. So ist es wenig verwunderlich, dass es kaum eine sä. IV K gibt, die nicht irgendwann einmal in Mügeln gewesen war.

Die Strecke lebte seit der Einstellung des Personenverkehrs im Jahre 1975 ausschließlich vom Güterverkehr, der vornehmlich dem Abtransport des in Kemmlitz gewonnenen Kaolins diente. Der Oberbauzustand war Anfang der 80er Jahre so schlecht, dass man auch hier vor der Frage stand: Sanierung oder Stilllegung? Glücklicherweise entschied man sich 1982 für eine Oberbauerneuerung, womit die Zukunft vorerst gesichert war. Durch den Einsatz von in Schönfeld-Wiesa und Wolkenstein freigewordenen saugluftgebremsten Rollwagen wurde 1987 die Heberleinbremse abgelöst. Die Wende im Herbst 1989 brachte für die Bahn natürlich gravierende Veränderungen: Nach der Privatisierung im Jahre 1993 konnte auch durch eine Umstellung auf Dieselloks und schmalspurige Schüttgutwagen die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße nicht aufgehalten werden, so dass dieser 2001 schließlich ganz eingestellt wurde. Ein Überleben der Bahn sichert somit nur der im September 2000 wieder aufgenommene Personenverkehr, der vornehmlich dem Schülertransport dient. Mit dem Wiederaufbau des 1975 eingestellten Abschnitts Nebitzschen - Glossen im Jahre 2006 wurde zudem die Attraktivität für Touristen gesteigert. Ob dies auf lange Sicht jedoch ausreicht, um den Fortbestand der Bahn zu sichern, muss sich erst noch zeigen.

 
Eine echte Mügelner Stammlok war 99.1542-2, die bereits 1905 hierher kam und satte 85 Jahre lang hier Dienst tat.   Zwei weitere Stammloks pausieren hier 1987 vor dem Mügelner Lokschuppen: 99.1566-1 und 99.1608-1.
 
99.1564-6, immerhin seit 1938 hier zu Hause, passiert das Mügelner Empfangsgebäude auf dem Weg zum Anschluss der Kohlehandlung Walter Lässig.   Die "Reisetante" 99.1584-4 durchfährt als 099.709-8 unmittelbar vor der Privatisierung der Bahn den ehemaligen Bahnhof Oschatz Süd.
 
99.1574-5 war im Juli 1987 mit dem Aufrollen der Regelspurwagen an der Grube in Oschatz beschäftigt. Die Umstellung auf saugluftgebremste Rollwagen war gerade abgeschlossen.   Die zum 1986 nach Mügeln umgesetzten "Wolkensteiner Quartett" gehörende 99.1582-8 passiert am Haltepunkt Körnerstraße das bedeutendste Brückenbauwerk der Strecke.
 
99.1566-1 durchfährt den Bahnhof Nebitzschen in Richtung Kemmlitz. Links geht es heute wieder weiter nach Glossen.   99.1585-1 rangiert im Kaolinwerk II in Kemmlitz. Links eine der Werkloks vom Typ V10C.
 
99.1584-4 durcheilt im Dezember 1989 Schweta.   Mit Volldampf in die letzte Steigung vor dem Bf Kemmlitz zischelt 99.1585-1 im Dezember 1989.